Da gehen sie hin, die Daten

Vor kurzem wurde uns ein Billa in die Nähe (ein)gebaut, was den Vorteil hat, dass ich nun zwischen dem Diskonter (Hofer), einem normalen Supermarkt(?)-Sortiment (eben Billa) und einem Bioladen (Müli) einkaufen kann (neben Bäcker und sonstigen kleineren Läden…).

Nun ist also ein Billa-Laden in der Nähe mit einigermaßen Sortiment und – wie mir auffiel – einer Unmenge an Personal und was mich extrem nervt einem lästigen Kundenbindungsprogramm. Mein Problem dabei ist, dass für die sogenannten “Vorteilskunden” eine ganze Menge billigerer Waren verkauft werden. So kostet z.B. heute dort eine bekannte Mineralwassersorte (eine jener mit dem Hauch von Geschmack) um 30 Cent (oder 25%) weniger als ohne “Vorteil”.
Nun bin ich aber ein standhafter Verweigerer von Kundenkarten, bei denen ich erstens meine personenbezogenen Daten angeben muss bzw. zweitens, jene, wo ich diese Kundenbindung mit der Bankomatkarte verknüpfen muss. Warum nicht eine Option, die mich anonym alle Vorteile genießen lässt, zur Kundenbindung sollte das doch ausreichen?

Natürlich geht es um mehr als Bindungen aufzubauen. Die Stichworte Data-Mining oder allgemeiner Business-Intelligence bringen etwas Licht in die Sache. Vordergründig wird vermittelt, es geht um das Problem des wie-mache-ich-noch-mehr-Profit-mit-meinen-Kunden, aber andererseits kann mit den Daten auch einiges gemacht werden, was mit reinem Profitdenken nichts mehr zu tun hat, sondern unsere Privatsphäre empfindlich stört. Sagen wir mal – und das ist natürlich reine Spekulation – Frau S. bewirbt sich bei Billa als Verkäuferin, sie kauft schon seit Jahren bei Billa selbst mit Ihrer Kundenkarte billiger ein. Nun sieht ein Mitarbeiter der HR-Abteilung einfach mal schnell nach was Frau S. so über die Jahre bei ihrem zukünftigen (oder eben nicht) Arbeitgeber gekauft hat. Dabei fällt auf, dass sie einmal die Bank gewechselt hat und in einem Jahr zweimal den Wohnsitz, der letzte stimmt außerdem nicht mit dem in ihrer Bewerbung angegebenen Wohnsitz überein.
Ein kleiner Stein kommt ins Rollen. Der KSV und das zentrale Melderegister dürfen weitere Daten liefern (in Zukunft dann auch Daten aus der Bildungsevidenz), die werden mal eben verglichen mit den Kartendaten und daraus werden Schlüsse gezogen, die eventuell die Einstellung von Frau S. verhindern können. Das ist Überwachung. Naja, vielleicht ist das Fallbeispiel ein wenig übertrieben, aber auch die Argumentation, dass Frau S. vielleicht immer nur Angebote gekauft hat könnte wiederum für andere Anbieter interessant sein, z.B. Leasingunternehmen oder Banken. Wer sagt uns denn, dass Billa nicht auch noch ein gutes Geschäft mit dem Verkauf dieser wertvollen Daten macht? Eine weitere Verknüpfung mit anderen Rabattkarten ist auf Dauer auch nicht auszuschließen und ebenso lukrativ.

Das Dumme daran ist doch, das die, die die Karte nicht benutzen wollen immer den teureren Preis zahlen und auch noch das System, von dem sie keinen Vorteil haben, finanzieren. Und weil das nicht auch noch genug ist, gibt es auch noch Treuepunkte an der Kassa. Bitte, wer sammelt Treuepunkte? Hier werden zwar keine Daten mit mir persönlich verknüpft aber danke, nein, ich sammle das nicht. Zu aufwendig, zu wenig Gewinn.

So muss nun jeder Kunde jedes mal an der Kassa die zwei bedeutenden Fragen über sich ergehen lassen: “Haben Sie eine Vorteilskarte?” und “Sammeln Sie Treuepunkte?”. Das nervt. Und heute hat’s mich echt genervt, denn ich wollte mir so ein viel zu teures Mineralwasser kaufen, aber 30 Cent mehr (ohne die Karte) führten dazu, dass ich es im Regal stehen lies. Andererseits sind mit 30 Cent zu wenig um meine Daten preis zu geben.

Das tollste ist jedoch die Aktivierung. Um alle Vorteile (z.B. ganz tolle gratis SMS) nutzen zu können
muss man seine Vorteilskarte im Internet aktivieren (übrigens, wer hat denn die Website gebastelt, das schaut verdächtig nach möglichen SQL-Injections aus). Für was die gratis SMS? Bekommen meine SMS-Empfänger dann SMS-Spam aufs Handy? Denkbar und durchaus möglich.

Sogar der kleine Bioladen Müli, hat seinen Rabattkarte. Beim Hofer gibt’s das nicht, da ist alle billig. Anscheinend gibt es doch keine Notwendigkeit um mit Karten die Umsätze zu steigern. Sie dienen wahrscheinlich allesamt nur der Überwachung der Kunden zur Gestaltung der Produkt- und Preispolitik. Oder darf’s ein bisserl mehr sein?

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