Ich hatte heute ein interessantes Gespräch mit der Steyregger Polizei. Es ging um den vielfach — auch von mir — sportlich genutzten Rad- und Gehweg am Donauufer. Wie viele andere die dort laufen, spazieren gehen oder mit Rad fahren, fiel mir schon öfter auf, das manche Zeitgenossen rücksichtslos oder motorisiert unterwegs sind. Das Interessante an diesem Weg ist, dass er nach dem Pleschinger See in privater Hand ist (ein Unternehmen, das dort bis vor kurzem Schotter abgebaut hat), ebenso in Steyregg — dort gehört er dem Grafen.
Die Schottergrube ist mittlerweile ein sehr beliebter Badeplatz, mit wunderbarem Sandstrand. Dort treibt sich halb Linz herum und macht Lagerfeuer (in ganz Österreich zu dieser Jahreszeit verboten — ist mir gleich, würde ich auch), oder fährt motorisiert bis zur Einfahrt (faule Säcke). Da der Weg aber privat gepflegt wird, hat die Polizei dort keine Handhabe. Es kommt auch ab und zu Unfällen, manche Radfahrer fahren ambitionierte 40 km/h oder mehr, und das oft parallel (heute wieder erlebt). Für Radfahrer gibt es keine gesetzliche Höchstgeschwindigkeit! (Auf geht’s Leute, schafft ihr den 100er?) Also auch hier kann die Polizei nichts tun. Laut Polizei dürfte ich dort gar nicht laufen. Ach ja, und Reiter mit Pferden ist es ebenfalls verboten, das soll auch des öfteren vorkommen. Ebenso Radfahrer, die Rettungswägen nicht vorbeilassen, die zum einem Notfall müssen. Der Weg ist relativ schmal, vielleicht 3m.
Die lustigen Leute, die dort mit dem Auto am Radweg fahren — alles schon gesehen — sind aus Sicht der Polizei ebenfalls nicht zu belangen, einzig der Besitzer kann eine Besitzstörungsklage erwirken.
Klingt ja beinahe wie ein rechtsfreier Raum? Ist es auch, weil eine Besitzstörungsklage wird einem wohl nur selten widerfahren. Nach 18.00 Uhr fährt ja kein Verantwortlicher des Unternehmens noch schnell vorbei und halst sich Ärger auf.

Am Pleschingersee, der grundsätzlich im Eigentum der Gemeinde Steyregg ist, aber von der Linz AG verwaltet wird bietet sich ein ähnliches Bild. Wie die meisten, die den See kennen, wird dort oft gegrillt, vor allem auf der großen Rasenfläche. Ob das gut oder schlecht ist, darüber kann man gerne streiten, und wenn man das tut, bleibt auch nicht aus, darüber zu reden, dass dort zu einem Großteil nur Immigranten ihren Spaß haben. Also an und für sich schon ein heikles Thema. Will ich gar nicht diskutieren, weil mir das an sich keine Sorgen macht.
Letztens gingen mir die aber dann trotzdem ziemlich auf den Geist, und zwar mit ihren Autos. Sie parken im Parkverbot, wenden auf der winzigen Straße, lassen das Auto laufen usw. Irgendwie passt das halt nicht in mein Bild des braven Bürgers, ich selbst lasse mein Auto nicht unnötig laufen und wenn ich mal mit meiner Vespa am Gehweg parke, dann darf ich das mit 21€ bezahlen. Hat mich einfach geärgert, dass die Polizei dort vorbei fährt und nichts dagegen tut. (Wer das mal erleben will, sei herzlich eingeladen am Sonntag Abend dort spazieren zu gehen. Nur um einen Eindruck zu bekommen.)

Wie mir diese dann — auf das auch angesprochen — erklärte, gibt es erstens das Problem, dass sich die Linz AG mit Steyregg auf keine Vorgehensweise einigen kann und außerdem gibt es einige Lobbys, die jene besagten Grillenden lautstark unterstützt und für sie spricht (den Namen hab‘ ich mir nicht gemerkt).

Es dürfte also nicht so einfach sein dort durchzugreifen und für eine gewisse Ordnung zu sorgen. Eine Lösung wären die Parkverbotsschilder zu entfernen, aber dann parken sie wohl auch auf den Wiesenflächen und dort ist Wasserschutzgebiet.
Die Österreicher machen im Gegensatz Mist, der nicht selbst weggeräumt wird: McDonalds-Sackerl, Bierdosen, Flaschen, anderer Müll lassen grüßen. Sind so viele Schweine unter uns. Manche räumen nichts weg, alles bleibt liegen, kommt ja eh der Reinigungstrupp, sagen sie sich. Und mit meinen Steuern zahle ich das ja, feine Sache! Gut dass das junge Gesocks nicht in die schönen Berge geht, denk ich mir eben.

Ein gedeihliches Miteinander (würde das meine Vermieter in seiner Rolle als Anwalt wohl nennen) wäre zu begrüßen, in der Regel funktioniert das auch zumeist. Vielleicht bin ich aber nur zu engstirnig und bilde mir ein, ein Fahrradfahrer hat am Gehweg nichts zu suchen, et vice versa.
Naja, ich bin dort wohl zu häufig unterwegs, dabei fallen einem all diese Dinge schnell auf. Trotzdem, interessante Eigentums- und Besitzkonstellationen, das wusste ich nicht. Und es erklärt auch einiges. Tu Felix Austria.

Und ich laufe weiter am Radweg, dafür dürfen die anderen auch tun was sie wollen. Die Anarchie lebe hoch.

PS. Als wir vor Jahren von der Firma aus dort gegrillt haben, und unter der Woche auch ziemlich allein waren, fuhr schon der Polizeiwagen vor und untersagte uns das. Eine doch sehr interessante Auslegung des Rechts, oder? Fragt sich einer, ob es wohl eine große Lobby braucht? Naja, den Grafen kenn ich eh, der hilft mir sicher aus der Patsche. Wenn er nicht gerade seine Besitztümer zählt…